Städtetrips sind eine der vielseitigsten Arten zu reines. Innerhalb weniger Tage können Sie Kultur, Geschichte, Kulinarik und das alltägliche Leben eines Ortes kennenlernen. Jede Stadt hat ihren eigenen Rhythmus, ihre eigene Atmosphäre und einzigartige Highlights. Nicht jede Stadt erschließt sich aber auf dieselbe Weise. London kann selbst nach einer Woche noch unübersichtlich wirken, während man in Reykjavík schon nach kurzer Zeit ein Gefühl für das Zentrum entwickelt. Edinburgh erzählt seine Geschichte auf weniger Straßen, Oslo öffnet sich zum Fjord und in Tromø beginnt die arktische Landschaft praktisch am Stadtrand.
Gerade diese Unterschiede machen Städtereisen interessant. Sie müssen sich dabei nicht auf Museen, Einkaufsstraßen und bekannte Bauwerke beschränken. Tromsø, Edinburgh, Oslo und Reykjavík eignen sich besonders gut, um den Aufenthalt in der Stadt mit Tagesausflügen zu landschaftlichen Höhepunkten der Umgebung zu ergänzen. Selbst von London aus sind Küstenorte, Schlösser und historische Universitätsstädte in kurzer Zeit erreichbar.
Für diesen Urlaubsratgeber haben wir fünf europäische Städte ausgewählt, die sich deutlich voneinander unterscheiden:
Wie viel Zeit sollte man für einen Städtetrip einplanen?
Drei bis vier Tage sind für viele Städtereisen ein guter Ausgangspunkt. Sie haben dann genügend Zeit für die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, müssen aber nicht jeden Tag von morgens bis abends durchplanen. Wenn Sie einen Tagesausflug in die Umgebung unternehmen möchten, sollten Sie mindestens einen weiteren Tag einrechnen. Für Tromsø und Reykjavík sind vier bis fünf Tage häufig sinnvoller als ein sehr kurzer Aufenthalt. Viele der prägenden Erlebnisse liegen dort außerhalb des Stadtgebiets.
Auch London profitiert von etwas mehr Zeit. Die Entfernungen innerhalb der Stadt sind größer, als ein Blick auf den Linienplan zunächst vermuten lässt. In Edinburgh und Oslo liegen dagegen viele Sehenswürdigkeiten nah beieinander und lassen sich gut zu Fuß erreichen.
Tromsø: Eine Stadt weit nördlich des Polarkreises
Tromsø liegt rund 350 Kilometer nördlich des Polarkreises. Trotz dieser Lage handelt es sich nicht um einen abgelegenen Außenposten, sondern um eine lebendige Universitätsstadt. Im Zentrum gibt es Cafés, Restaurants, kleine Geschäfte und eine überraschend aktive Kulturszene.
Die Stadt verteilt sich auf mehrere Inseln und Festlandbereiche. Das überschaubare Zentrum befindet sich auf Tromsøya. Schon beim Blick über den Hafen wird deutlich, wie nah die Berge sind. In Tromsø gehört die Landschaft nicht nur zur Aussicht – sie beeinflusst den Tagesablauf, das Wetter und die möglichen Unternehmungen.
Warum lohnt sich ein Städtetrip nach Tromsø?
Der wichtigste Grund für eine Reise nach Tromsø ist die arktische Umgebung. Im Winter kommen viele Besucher wegen der Nordlichter. Tromsø liegt unter dem Nordlichtoval, weshalb die Region von Herbst bis zum frühen Frühjahr gute Voraussetzungen für Beobachtungen bietet.
Nordlichter lassen sich allerdings nicht bestellen. Wolken, Schneefall und Sonnenaktivität entscheiden darüber, ob die Aurora sichtbar wird. Wer nur eine Nacht bleibt, kann Pech haben. Bei mehreren Übernachtungen steigen die Chancen, einen klaren Abend zu erwischen. Geführte Touren fahren häufig weit aus der Stadt hinaus und suchen gezielt nach Regionen mit besseren Wetterbedingungen.
Im Sommer steht ein anderes Naturphänomen im Mittelpunkt: die Mitternachtssonne. Das lange Tageslicht verändert den Rhythmus der Stadt. Wanderungen und Ausflüge sind bis spät am Abend möglich, ohne dass es dunkel wird.
Was sollte man sich in Tromsø ansehen?
Das Zentrum lässt sich gut zu Fuß erkunden. Am Hafen stehen ältere Speicherhäuser neben moderneren Gebäuden. In den Seitenstraßen finden Sie kleine Läden, Cafés und Restaurants, in denen häufig Fisch, Rentier und andere nordnorwegische Zutaten auf der Speisekarte stehen.
Zu den bekannten Anlaufpunkten gehören:
- die Eismeerkathedrale mit ihrer auffälligen dreieckigen Form
- das Polarmuseum zur Geschichte arktischer Expeditionen
- das Erlebniszentrum Polaria
- der Hafen und die Innenstadt rund um die Storgata
- die Mack-Brauerei und der historische Ausschank Ølhallen
- die Tromsøbrua mit Blick auf Stadt und Fjord
London: Eine Stadt, die Auswahl verlangt
In London kann man in so kurzer Zeit nicht alles sehen. Diese Erkenntnis erleichtert die Reiseplanung erheblich. Statt eine lange Liste berühmter Orte abzuarbeiten, ist es sinnvoller, einzelne Stadtteile auszuwählen und dort mehr Zeit zu verbringen. Westminster, die City of London, South Bank, Notting Hill, Greenwich und Camden könnten jeweils einen halben oder ganzen Tag füllen. Dazwischen liegen Museen, Märkte, Parks, Theater und Wohnviertel, die sehr unterschiedliche Seiten der Stadt zeigen.
Warum lohnt sich ein Städtetrip nach London?
London besitzt eine historische und kulturelle Dichte, die nur wenige Städte erreichen. Römische Spuren, mittelalterliche Kirchen, viktorianische Bahnhöfe und moderne Hochhäuser stehen teilweise nur wenige Straßen voneinander entfernt.
Hinzu kommen Museen mit international bedeutenden Sammlungen. Der Eintritt in die Dauerausstellungen vieler staatlicher Museen ist kostenlos. Dadurch können Sie auch spontan für eine Stunde ins British Museum, in die National Gallery oder ins Victoria and Albert Museum gehen, ohne den ganzen Tag dort verbringen zu müssen.
Am Abend beginnt ein anderer Teil des Stadtlebens. Das West End ist für seine Theater und Musicals bekannt, während in Soho, Shoreditch und Brixton kleinere Bühnen, Restaurants und Musikclubs zu finden sind.
Was sollten Sie sich in London ansehen?
Für einen ersten Besuch bietet sich eine Route entlang der Themse an. Beginnen Sie in Westminster bei den Houses of Parliament und Big Ben. Über die Westminster Bridge gelangen Sie zur South Bank. Der Weg am Fluss führt unter anderem am London Eye, an der Tate Modern und am Shakespeare’s Globe vorbei. Weiter östlich erreichen Sie den Borough Market und die Tower Bridge.
Weitere mögliche Schwerpunkte sind:
- Tower of London und die Umgebung der alten City
- Buckingham Palace und St James’s Park
- Covent Garden und Soho
- Notting Hill und Portobello Road
- Camden Market und Regent’s Canal
- eine Theater- oder Musicalvorstellung im West End
Versuchen Sie nicht, weit voneinander entfernte Orte am selben Tag einzuplanen. Die Fahrt von Greenwich nach Notting Hill oder von Kew nach Tower Hill kostet Zeit. Eine Einteilung nach Stadtteilen sorgt für einen ruhigeren Tagesablauf.
London jenseits der bekannten Sehenswürdigkeiten
London wird interessanter, sobald man sich von den meistbesuchten Orten entfernt. Ein Spaziergang durch Hampstead, entlang der Kanäle bei Little Venice oder durch die alten Docklands zeigt Seiten der Stadt, die auf einer klassischen Rundfahrt kaum vorkommen.
Auch Märkte eignen sich, um einzelne Viertel kennenzulernen. Dabei lohnt sich ein Blick auf die jeweiligen Markttage. Einige Märkte sind täglich geöffnet, andere entfalten nur an bestimmten Wochentagen ihren eigentlichen Charakter. Für einen freien Blick über London müssen Sie nicht zwangsläufig ein teures Ticket kaufen. Mehrere Parks und öffentliche Aussichtspunkte bieten gute Stadtpanoramen. Reservierungspflichtige kostenlose Aussichtsterrassen sollten allerdings frühzeitig gebucht werden.
Welche Tagesausflüge bieten sich von London an?
London ist groß genug für mehrere Reisen. Trotzdem kann ein Tagesausflug sinnvoll sein, besonders bei einem längeren Aufenthalt. Gut erreichbar sind z.B.
- Stonehenge
- Oxford
- Stratford-upon-Avon
- Cotswolds
- Brighton & Seven Sisters
- Harry Potter Studio Tour
- Windsor Castle
Edinburgh: Geschichte auf engem Raum
Edinburgh besitzt eine ungewöhnlich markante Stadtsilhouette. Die Burg steht auf einem Felsen über der Altstadt, Kirchtürme ragen zwischen dunklen Steinhäusern auf und am östlichen Ende der Stadt erhebt sich Arthur's Seat.
Die Altstadt und die georgianische New Town gehören gemeinsam zum UNESCO-Welterbe. Beide Viertel liegen nah beieinander, unterscheiden sich aber deutlich. In der Old Town verlaufen enge Gassen und steile Treppen zwischen hohen Häusern. Die New Town ist von breiten Straßen, Plätzen und geordneten Häuserreihen geprägt.
Warum lohnt sich ein Städtetrip nach Edinburgh?
Edinburgh lässt sich gut zu Fuß erschließen. Die Geschichte der Stadt ist im Straßenbild deutlich sichtbar und nicht nur auf Museen beschränkt. Burgen, Friedhöfe, unterirdische Gewölbe und historische Wohnhäuser erzählen von unterschiedlichen Epochen.
Gleichzeitig ist Edinburgh keine reine Museumsstadt. Restaurants, Pubs, Buchhandlungen und kleine Geschäfte sorgen dafür, dass die Altstadt auch außerhalb der Sehenswürdigkeiten belebt bleibt. Während der großen Festivals im August verändert sich die Atmosphäre allerdings erheblich. Dann wird die Stadt voller und die Preise für Unterkünfte steigen.
Was sollte man sich in Edinburgh ansehen?
Ein naheliegender Ausgangspunkt ist das Edinburgh Castle. Von dort führt die Royal Mile bergab bis zum Palace of Holyroodhouse. Es lohnt sich, nicht nur der Hauptstraße zu folgen. Viele sogenannte Closes und kleine Innenhöfe zweigen von der Royal Mile ab. Für einen Ausblick über Edinburgh können Sie den Arthur's Seat besteigen. Die Wege sind stellenweise uneben und bei Regen rutschig. Calton Hill ist die kürzere und bequemere Alternative. Von beiden Punkten lässt sich gut erkennen, wie nah Stadt, Hügel und Küste beieinanderliegen.
Weitere sehenswerte Orte sind:
- St Giles' Cathedral
- National Museum of Scotland
- Greyfriars Kirkyard
- Victoria Street
- Calton Hill
- Dean Village
Welche Tagesausflüge bieten sich von Edinburgh an?
Edinburgh ist ein idealer Ausgangspunkt für Landschaften im Umland. Nicht jeder Ausflug muss dabei bis in die Highlands führen.
Beliebte Ziele sind:
- Stirling mit Burg und Altstadt
- Loch Lomond
- Rosslyn Chapel
- die Region Fife
- Tagesfahrten in die Highlands
- Loch Ness
- North Berwick und die Küstenregion
North Berwick ist unkompliziert mit dem Zug erreichbar. Der Küstenort eignet sich für Spaziergänge, einen Strandbesuch und den Blick auf den markanten Bass Rock. Die Pentland Hills liegen noch näher und bieten Wanderwege, die sich auch als halbtägiger Ausflug planen lassen.
Eine Tagestour in die Highlands vermittelt einen ersten Eindruck, bringt aber lange Fahrzeiten mit sich. Wenn die Highlands ein Hauptgrund für Ihre Schottlandreise sind, sollten Sie besser zusätzliche Übernachtungen außerhalb Edinburghs einplanen.
Oslo: Stadtentwicklung am Wasser
Oslo hat sich in den vergangenen Jahren sichtbar zum Fjord hin verändert. Im früheren Hafengebiet Bjørvika stehen heute das Opernhaus, die Deichman-Bibliothek und das MUNCH. Entlang der Uferpromenade lässt sich ein großer Teil der neueren Stadtentwicklung zu Fuß nachvollziehen.
Daneben gibt es das ältere Oslo mit der Festung Akershus, dem königlichen Schloss und den Wohnvierteln hinter dem Zentrum. Wald und Wasser sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln schnell erreichbar und gehören für viele Einwohner zum Alltag.
Warum lohnt sich ein Städtetrip nach Oslo?
Oslo ist überschaubarer als London und weniger geschlossen historisch als Edinburgh. Interessant ist vor allem, wie die Stadt mit ihrer Lage am Fjord umgeht. Öffentliche Uferbereiche, Badestellen, Saunen und neue Kulturgebäude haben das Zentrum näher ans Wasser gerückt. Kunst spielt ebenfalls eine große Rolle. Das MUNCH zeigt die weltweit umfangreichste Sammlung von Werken Edvatd Munchs. Im Nationalmuseum sind norwegische und internationale Kunst, Architektur und Design unter einem Dach untergebracht.
Was sollte man sich in Oslo ansehen?
Starten Sie im modernen Hafenviertel Bjørvika. Das Opernhaus gehört zu den markantesten Gebäuden der Stadt und sein begehbares Dach eröffnet einen schönen Blick über den Fjord. Nur wenige Schritte entfernt befinden sich das MUNCH und die Deichman-Bibliothek.
Danach führt ein Spaziergang an der Hafenpromenade zur Festung Akershus, zum Rathaus und weiter nach Aker Brygge. Für den zweiten Tag bieten sich eine Bootsfahrt auf dem Oslofjord, der Vigeland-Skulpturenpark oder die Museen der Halbinsel Bygdøy an.
Reykjavík: Kleine Hauptstadt, große Ausflugsregion
Reykjavík ist deutlich kleiner als die anderen Hauptstädte dieses Artikels. Das Zentrum lässt sich ohne Eile zu Fuß erkunden. Bunte Wellblechhäuser, niedrige Gebäude, Wandmalereien und kleine Läden prägen viele Straßen.
Die Stadt selbst benötigt dabei nicht so viel Zeit. Mehr Zeit lohnt sich dennoch, weil einige der bekanntesten Landschaften Islands als Tagesausflug erreichbar sind. Reykjavík funktioniert daher gut als fester Standort, wenn Sie nicht jeden Tag die Unterkunft wechseln möchten.
Warum lohnt sich ein Städtetrip nach Reykjavík?
Reykjavík ist klein genug für ein entspanntes Wochenende und gleichzeitig der ideale Ausgangspunkt für einige der beeindruckendsten Landschaften Islands. Bunte Häuser, kreative Restaurants, nordisches Design und die isländische Badekultur verleihen der nördlichsten Hauptstadt der Welt ihren besonderen Charakter. Die Stadt eignet sich vor allem für Reisende, die einen Städtetrip mit Natur und Wellness verbinden möchten. Vulkane, Lavafelder, Wasserfälle und heiße Quellen beginnen praktisch vor den Toren Reykjavíks.
Was kann man in Reykjavík unternehmen?
Entdecken Sie zunächst das Zentrum rund um die Einkaufsstraße Laugavegur. Die Hallgrímskirkja ist bereits aus großer Entfernung sichtbar. Vom Turm bietet sich ein weiter Blick über die farbenfrohen Dächer bis zu den Bergen. Anschließend können Sie zum Konzerthaus Harpa und am Alten Hafen entlangspazieren. Am zweiten Tagen haben Sie die Wahl: Entspannen Sie in einem geothermisch beheizten Schwimmbad oder unternehmen Sie einen Ausflug zum Golden Circle mit dem Nationalpark Þingvellir, dem Geysir-Gebiet und dem Wasserfall Gullfoss. Reykjavík besitzt zahlreiche öffentliche Thermalbäder, in denen sich die lokale Badekultur authentisch und vergleichsweise unkompliziert erleben lässt.