Im Rahmen unseres Engagements für Nachhaltigkeit unterstützen wir den Burrenbeo Trust, der sich für den Erhalt der einzigartigen Natur- und Kulturlandschaft des Burren einsetzt. Ein Teil dieser Zusammenarbeit ist es, jungen Menschen Einblicke in die praktische Naturschutzarbeit vor Ort zu ermöglichen.
Unsere Auszubildende Kea durfte den Burrenbeo Trust einige Wochen lang begleiten und verschiedene Bereiche der Organisation kennenlernen. In ihrem Erfahrungsbericht beschreibt sie, wie vielfältig die Arbeit des Trusts ist und welche Eindrücke sie aus Kinvarra und dem Burren mitgenommen hat.

„The Burrenbeo Trust leistet wundervolle und wichtige Arbeit im irischen Landschaftsschutz. Das Team steht mit Herzblut und Leidenschaft hinter seinen Zielen und es ist wirklich inspirierend den Leuten bei ihrer täglichen Arbeit zuzusehen.
Die Organisation macht Umweltschutz und Nachhaltigkeit nahbar und inklusiv und schafft es durch die Kraft von Gemeinschaft und Bildung unzählige Menschen für ihr Vorhaben zu begeistern und zu integrieren.“
- Kea | Auszubildende, Marketing
Im Herbst 2025 durfte ich für einige Wochen das tun, wovon viele Irland-Reisende träumen: tief eintauchen in das Herz des Westens. Dank eines Erasmus+ Praktikums erhielt ich die Chance, hinter die Kulissen des Burrenbeo Trust in Kinvarra zu blicken, eine Erfahrung, die so viel mehr war als nur Büroarbeit.
Kinvarra ist ein kleines, idyllisches Hafenstädtchen mit gerade mal knapp über 700 Einwohnern. Direkt am Wasser gelegen, mit kleinen Segelbooten in der Bucht, dem historischen Dunguaire Castle, was über die Dächer des Dorfs hinausragt, und vielen, bunten Hausfassaden, versprüht dieser Ort den typischen irischen Charme. Trotz der kleinen Größe gibt es hier wirklich viel zu entdecken - von kleinen, gemütlichen Cafés und Bauernmärkten bis hin zu süßen Souvenirsläden mit versteckten Gärten. Die Leute begegnen einem hier stets freundlich, mit einem Lächeln und man spürt, dass Gemeinschaft hier noch eine ganz andere Bedeutung hat. Kinvarra ist herzlich und bodenständig und damit ein perfekter Standort für eine Organisation, die sich intensiv mit Landschaft, Gemeinschaft und regionaler Identität beschäftigt.
Direkt an der Galway Bay liegt das Büro des Trusts - ein charaktervolles Gebäude mit grauen Steinmauern. Über zwei Etagen verteilen sich gemütliche Büros, während im Erdgeschoss ein öffentlicher Infobereich Besucher willkommen heißt. Das Herzstück bildet die Küche. Hier trifft sich das Team für Meetings, zum Austausch und auch mal zum Kaffee trinken und plaudern.
An meinem ersten Tag wurde ich von Áine, der Geschäftsführerin des Burrenbeo Trust, in Empfang genommen. Nach einer kurzen Führung durch das Gebäude stellte sie mir die Organisation, ihre Ziele sowie die Mitarbeitenden vor.
Das multikulturelle Team arbeitet sehr familiär zusammen, ist offen, hilfsbereit und nahm mich von Beginn an herzlich auf. Das Team ist klein, aber die Wirkung ihrer Arbeit ist riesig.
Während meines Praktikums lernte ich die verschiedenen Projekte des Burrenbeo Trusts kennen:

Heritage Keepers
Hier lernen Menschen, wie sie das kulturelle Erbe ihrer eigenen Gemeinde schützen können.

The Hare's Corner
Ein wundervolles Projekt zur Förderung der Artenvielfalt in privaten Gärten und auf Höfen.

Farming for Nature
Eine Initiative, die zeigt, wie Landwirtschaft und Naturschutz Hand in Hand gehen können.
Meine Zeit beim Burrenbeo Trust fiel außerdem in die Vorbereitungsphase des „Winterage Weekend Festivals“. Dieses Festival feiert die uralte Tradition der „Winterage“, bei der das Vieh im Burren über den Winter auf die Hochflächen getrieben wird, eine weltweit fast einzigartige Form der Weidewirtschaft. Ziel ist es, das Bewusstsein für diese nachhaltige Praxis und ihre Bedeutung für die Landschaft zu stärken.
Zu meinen Aufgaben zählten unter anderem das Zusammenfassen von Webinaren, das Sortieren und Ausmisten der Fotodatenbank sowie das Begleiten organisatorischer Meetings. Besonders interessant war es, die internen Abläufe einer gemeinnützigen Organisation kennenzulernen und zu sehen, wie Projekte geplant und umgesetzt werden.
Doch das wahre Klassenzimmer war die Natur. Mein persönliches Highlight war die Teilnahme an einer Exkursion durch den Burren.
Ich durfte Karen van Dorp, die beim Burrenbeo Trust für die Bildungs- und Exkursionsprogramme zuständig ist, bei einem Ausflug mit einer Gruppe, bestehend aus Umweltwissenschafts-Studierenden und -Professoren der Dublin City University, begleiten. Wir haben uns auf einem kleinen Hof mitten im Burren getroffen und sind von dort aus quer durch die Karstlandschaft gewandert.
Karen brachte uns bei, wie man winzige Fossilien im Kalkstein erkennt, erklärte die archäologischen Stätten und warum der Burren botanisch gesehen ein Wunder ist. Außerdem erklärte sie, warum im Burren die seltene und ungewöhnliche Tradition herrscht, das Vieh im Winter auf die Hochlandschaft zu treiben.
Karen verfügt über ein so beeindruckendes Wissen über Botanik und den Lebensraum des Burren und bringt dieses mit solch einer Leidenschaft und Begeisterung rüber, dass es quasi unmöglich ist, nicht davon angesteckt zu werden.

Der Burren ist jedoch nicht nur durch seine Landschaft geprägt, sondern auch durch zahlreiche kleine, regional verankerte Betriebe. Orte wie die Burren Perfumery oder Hazel Mountain Chocolate zeigen, wie eng Natur, Handwerk und nachhaltiger Tourismus hier miteinander verbunden sind. Die Parfümerie liegt ganz abseits der Zivilisation, mitten in der Karstlandschaft, produziert und verkauft wundervolle Kosmetika, die mit natürlichen Zutaten der Region hergestellt werden. Im Garten kann man eine Pracht an verschiedenen Pflanzen betrachten und im gemütlichen, hauseigenen Café gibt es feine Speisen und Desserts.

Ein weiteres Highlight, was mir sehr im Kopf geblieben ist, war die Teilnahme an einem gemeinschaftlichen Seed Collecting Event. Dieses gemeinsame, freiwillige Sammeln von einheimischen Pflanzensamen wird in regelmäßigen Abständen vom Burrenbeo Trust veranstaltet. Wir haben uns mit einer Gruppe, bestehend aus freiwilligen Helfern und Mitarbeitenden, mitten in der Burren-Landschaft getroffen und sind dann, mit Auffangbehältern, Handschuhen und Gartenscheren ausgestattet, losgezogen. Die Gruppe selbst war bunt durchmischt, von jung bis alt war alles dabei. Selbst einige Senioren, die sich mit Wanderstöcken mutig über das unebene Gelände vorarbeiteten, haben mit angepackt. Eine Helferin reist sogar regelmäßig aus den USA an, um den Trust zu unterstützen.
Auf dem Tagesprogramm stand das Pflücken von „Holly Berrys“. Das klang im ersten Moment zwar sehr schön, allerdings habe ich schnell gemerkt, warum diese Pflanze im Deutschen “Stechpalme” heißt. Nach kurzer Zeit hatte ich aber dann auch die richtigen Handgriffe raus, um die Beeren auf eine Weise zu pflücken, die schonend für die Pflanze und meine Hände war. Der ganze Prozess hatte etwas wirklich friedliches und idyllisches an sich und es hat sich wirklich wie Balsam für die Seele angefühlt, so durch die Natur zu wandern und sich dabei mit solch herzlichen Menschen zu unterhalten.
Die gepflückten Samen werden nun genutzt, um Pflanzen für zukünftige Projekte, wie „The Hare’s Corner” heranzuziehen.
The Burrenbeo Trust ist kein trockener Verein, sondern eine lebendige Gemeinschaft, die mit außergewöhnlicher Liebe und Hingebung versucht, dieses einzigartige Ökosystem für kommende Generationen zu bewahren. Mein Praktikum hier bot mir einen lehrreichen Einblick in die Verbindung von Naturschutz, Bildung und Gemeinschaftsarbeit. Die Erfahrungen vor Ort haben mein Verständnis für diese besondere Landschaft vertieft und mir gezeigt, wie wichtig langrfristiges Engagement und lokale Zusammenarbeit für ihren Erhalt sind.
